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Porsche Legenden

Porsche Legenden

Impressum

© 2006: HEEL Verlag GmbH, Königswinter

Verantwortlich für den Inhalt:
Martin Bremer

Alle Rechte, auch die des Nachdrucks, der Wiedergabe in jeder Form und der Übersetzung in andere Sprachen, behält sich der Herausgeber vor. Es ist ohne schriftliche Genehmigung des Verlages nicht erlaubt, das Buch und Teile daraus auf fotomechanischem Weg zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer bzw. mechanischer Systeme zu speichern, systematisch auszuwerten oder zu verbreiten.

Lektorat: Joachim Hack

Layout und Satz: Atelier Seidel – Verlagsgrafik, Teising

Druck: MKT, Slowenien

Printed in Slovenia

- Alle Rechte vorbehalten –

ISBN-13: 978-3-89880-542-1
ISBN-10: 3-89880-542-5

Verlag und Autor danken dem Historischen Archiv der Porsche AG, Herrn Dieter Landenberger und Herrn Jens Thorner für die hervorragende Unterstützung.

Bildnachweis

Porsche AG, Historisches Archiv; Archiv Auto Zeitung; Dieter Rebmann; RUF Automobile GmbH mit Bildern von H. D. Seufert, H. P. Seufert, Wolfgang Drehsen, Lutz Tinius, Wolfgang Wilhelm, Anthony Fraser

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Inhalt

Vowort

Porsche 356 Roadster Nr. 1

Porsche 356 A 1500 GS Carrera

Porsche 550 RS Spyder

Porsche 356 B

Porsche 718 RS 60 Spyder

Porsche 904 GTS Coupé

Porsche 912 Coupé

Porsche 911 Targa

Porsche 908 L Coupé Langheck

Porsche VW-Porsche 914/6

Porsche 911 S 2.4

Porsche 917/20 Coupé »Sau«

Porsche 911 Carrera RS 2.7

Porsche 928 Coupé

Porsche 911 Turbo 3.0

Porsche 924 Turbo Coupé

Porsche 911 SC Cabriolet

Porsche 962 C Coupé

Porsche 928 S4 Coupé

RUF 911 CTR Coupé

Porsche 944 S2 Cabrio

Porsche 944 turbo S Coupé

Porsche 968 Cabriolet

Porsche 959 Coupé

Porsche 911 Carrera 2 Speedster

Porsche 911 turbo S Coupé – Leichtbau

Porsche 911 Targa

Porsche 986 Boxster S

Porsche 911 Carrera 4S

Porsche 911 GT1 Straßenversion

Porsche 911 GT3

Porsche 911 GT3 R

Porsche Cayenne turbo

Porsche Carrera GT

Porsche Cayman S

RUF Rt 12 Coupé

Vorwort

Seit über 50 Jahren begeistern die Fahrzeuge aus Zuffenhausen die Sportwagen- und Rennsportfreunde in aller Welt. Ein Porsche verbindet die technischen Höchstleistungen von Ingenieuren und Technikern mit der hohen handwerklichen Qualität einer individuellen Fertigung für die anspruchsvollen Kunden weltweit. Mit über 20.000 Rennsiegen war auch keine andere Automobilmarke erfolgreicher im Motorsport. Kein anderer Hersteller hat mehr Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans eingefahren. Porsche steht für die konsequente Umsetzung der im Motorsport gewonnenen Erfahrungen beim Bau von Serienautomobilen. Ein Porsche-Sportwagen verknüpft Fahrspaß mit hohen Fahrleistungen, agilem Handling, Sicherheit, Umweltfreundlichkeit und Alltagstauglichkeit.

Dieses Buch zeigt wichtige Meilensteine der Entwicklung der Porsche-Serien- und Rennsportwagen auf, die die Legende Porsche begründet haben. Angefangen beim ersten Porsche 356 mit Mittelmotor, der als Unikat in Gmünd/Kärnten in Österreich gebaut wurde, über ausgesuchte Modelle der Heckmotorklassiker Porsche 356 und Porsche 911, die 4- oder 8-Zylinder-Transaxle-Modelle, den Hightech-Sportwagen 959 und die Fahrzeuge mit Mittelmotor wie den Porsche 914, den Boxster und ganz aktuell den Porsche Cayman. Auch die beiden Porsche-Modelle, die in Leipzig gebaut werden, der SUV Cayenne und der in einer Sonderserie von 1270 Fahrzeugen gebaute Carrera GT werden vorgestellt. Bei den Rennfahrzeugen spannt sich der Bogen von Mitte der 50er-Jahre vom legendären Porsche 550 Spyder über Meilensteine wie die Renntypen 718 RS 60 Spyder, 904 Carrera GTS, 917/20 Coupé “Sau” oder 962 der Gruppe C.

Porsche war, ist und bleibt – Fahren in seiner schönsten Form!

Außerdem werden in diesem Buch auch zwei Fahrzeuge der RUF Automobile GmbH aus Pfaffenhausen in Bayern vorgestellt, die automobile Geschichte geschrieben haben. Der RUF CTR “Yellow Bird” aus dem Jahr 1987, der vor fast 20 Jahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 342 Kilometer pro Stunde der schnellste Straßensportwagen der Welt war und aktuell der RUF Rt 12 mit 650 PS, der aus dem Stand in weniger als 25 Sekunden auf Tempo 300 beschleunigt.

Diese vorgestellten Serien- und Rennfahrzeuge sind Porsche Legenden, die den Ruf der Zuffenhausener Sportwagenschmiede begründet haben.

Martin Bremer

Oktober 2006

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Porsche 356 Roadster Nr. 1

1948

Seit 1931, dem Beginn seiner Selbständigkeit, hat Ferdinand Porsche mit seinen Konstruktionen in erster Linie Fremdaufträge bearbeitet. Der Volkswagen (Typ 60) ist wohl der bekannteste dieser Konstruktionsaufträge. Vom VW Käfer wurden bis zu seiner Produktionseinstellung im Sommer 2003 über 21,5 Millionen Fahrzeuge gebaut. Aber immer wieder kommt bei Ferdinand Porsche der Gedanke auf, einen eigenen Sportwagen zu bauen.

Der Berlin-Rom-Wagen (Typ 64), der auf der technischen Basis des Volkswagens aufbaut, kann als der Vorfahre des ersten Fahrzeugs mit dem Namen Porsche gelten. Nur drei Exemplare entstehen von diesem Stromlinienwagen mit einer Leistung von 40 PS. Der Typ 64 nimmt technisch und formal schon einige Merkmale des späteren Porsche vorweg.

Während des Krieges zieht das Porsche Konstruktionsbüro 1944 von Stuttgart nach Gmünd/Kärnten in Österreich um. Das Unternehmen residiert in den Gebäuden eines ehemaligen Sägewerks. Im Juni 1947 entstehen unter der Leitung von Ferry Porsche erste Konstruktionszeichnungen für einen offenen Sportwagen. Bei der Entwicklung greifen die Ingenieure bewusst auf die technischen Komponenten des Volkswagens zurück. Dieser spendet Aggregate wie Motor, Getriebe und Fahrwerk.

Am 8. Juni 1948 wird Porsche die Einzelgenehmigung für seinen Sportwagen erteilt. Der erste Porsche ist ein zweisitziger Roadster mit Notverdeck. Der 356 Nummer 1 ist ein echter Mittelmotorsportwagen, bei dem der Motor hinter dem Fahrer, vor der Hinterachse, eingebaut ist.

Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxermotor stammt aus dem Volkswagen. Der Volkswagenmotor stellt aus 1131 cm3 Hubraum ganze 24,5 PS bereit. Die Leistung dieses Basisaggregats wird mit klassischen Optimierungsmaßnahmen auf 35 PS bei 4000/min gesteigert. Das 7,0:1 verdichtete Triebwerk ist mit einem Solex-Fallstromvergaser vom Typ 26 VFI und einer Batteriezündung bestückt. Das maximale Drehmoment von 69 Newtonmetern wird bei einer Drehzahl von 2600 Umdrehungen pro Minute erreicht. Die Motorleistung reicht aus, um den Wagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 135 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen, mit abgedecktem Beifahrersitz werden sogar 140 km/h erreicht.

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Die Nummer 1 bestritt schon erste motorsportliche Wettbewerbe. Ihr Gewicht von weniger als 600 Kilogramm relativierte die geringe Motorleistung. Rund 140 km/h Spitze waren immer drin.

Das niedrige Gewicht von nur 585 Kilogramm verdankt der 356/1 Roadser einem Gitterrohrrahmen mit Aluminiumkarosserie. Die vier Trommelbremsen werden über Seilzüge betätigt und haben einen Durchmesser von 230 Millimetern.

An der Vorderachse erfolgt die Radführung über Kurbelarme. Diese werden durch quer liegende Drehstäbe gefedert.

An der Hinterachse kommt eine durch Schubstreben geführte Pendelhalbachse mit ebenfalls quer liegenden Drehstäben zum Einsatz.

Der Wagen findet für 7000 Schweizer Franken mit dem Züricher Autohändler von Senger einen Abnehmer, der den Wagen für 7500 Schweizer Franken an den ersten Porsche-Fahrer verkauft. Porsche verwendet das Geld aus dem Verkauf des Wagens für die Materialbeschaffung zum Bau weiterer Fahrzeuge. Der Porsche 356 Nummer 1 bleibt als Mittelmotor-Roadster ein absolutes Einzelstück.

Denn ab dem zweiten Wagen, einem Coupé, sitzt der Motor hinter der Hinterachse, um im Innenraum mehr Platz für Notsitze und Gepäck zu erhalten. Der 356/2 soll zudem mehr Komfort und Alltagstauglichkeit bieten als die Nummer 1. Parallel wird auch eine Cabriolet-Version entwickelt. Der Kastenrahmen der Heckmotor-356-Modelle besteht aus Stahlblech. Die Aluminium-Karosserie wird von Hand über einem Holzmodell gedengelt. Die Stoßstangen schließen bündig mit der Karosserie ab. Die geteilte Frontscheibe hat einen Steg in der Mitte.

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Der Beginn einer Legende. Neben der Nummer 1 posieren im österreichischen Gmünd deren Schöpfer – links Erwin Komenda, in der Mitte Ferry Porsche und rechts Prof. Ferdinand Porsche.

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Die Nummer 1 auf der Porsche Versuchsstrecke in Weissach. Die Anordnung des Triebwerks direkt hinter der Fahrerkabine ist hier sehr gut zu erkennen. Nur dieses eine Fahrzeug war mit einem Mittelmotor ausgerüstet. Schon Fahrzeug Nummer 2, ein 356 Coupé, besaß den für Porsche dann typisch werdenden Heckmotor.

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Ein knapper Blick unter die Heckhaube der Nummer 1. Man erkennt den luftgekühlten 1131 cm3 großen Vierzylinder-Boxermotor direkt an der Rückwand zum Innenraum. Rechts im Bild die Aussparung für das hinter dem Triebwerk untergebrachte Reserverad.

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Das Interieur des restaurierten Autos, wie es heute im Porsche Werksmuseum steht.

Der luftgekühlte Boxermotor ist mit hängenden Ventilen ausgerüstet. Aus einem Hubraum von 1131 cm3 leistet der Vierzylinder 40 PS (29 kW) bei 4000 Umdrehungen pro Minute. Das auf 7,0:1 verdichtete Aggregat ist mit 2 Solex-Fallstromvergasern und zwei Trockenluftfiltern bestückt.

Das maximale Drehmoment von 69 Nm wird bei einer Drehzahl von 2600 Umdrehungen pro Minute erreicht. Mit nur 7 bis 8 Litern Benzin auf 100 Kilometer ist der Kraftstoffverbrauch dieser mit 680 Kilogramm sehr leichten Fahrzeuge sehr gering.

Porsche reduziert, in Hinblick auf den Einsatz im Motorsport, den Hubraum des Motors auf 1086 cm3. Die Leistung bleibt jedoch gleich. Schon 1948 entstehen die ersten vier Fahrzeuge mit dem neuen Motor. In Gmünd entstehen noch weitere 356er als Coupé mit einer Aluminiumkarosserie.

Am 20.3.1951 wird der letzte Gmünder Porsche 356 ausgeliefert.

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Ferry Porsche, der Sohn von Ferdinand, am Steuer seines Meisterwerks bei einer Veranstaltung auf dem Nürburgring. Der Stolz auf das Erreichte ist ihm anzusehen.

Technische Daten

Bauart:

4-Zylinder-Boxermotor

Einbauposition:

Mittelmotor

Kühlung:

luftgekühlt

Motor-Typ:

VW

Hubraum (cm3):

1131

Bohrung x Hub:

75 x 64

Leistung (kW/PS):

26/35 bei 4000/min

Drehmoment (Nm):

69 bei 2600min

Verdichtung:

7,0 : 1

Ventilsteuerung:

ohv über Zahnräder, 2 Ventile pro Zylinder

Gemischaufbereitung:

1 Fallstromvergaser Solex 26 VFI

Zündung:

Batteriezündung

Zündfolge:

1 - 4 - 3 - 2

Kurbelwellenlagerung:

4 Gleitlager

Schmierung:

Druckumlaufschmierung

Antrieb:

Heckantrieb

Schaltgetriebe:

4-Gang

Getriebetyp:

VW

Übersetzungen:

1. Gang: 3,60
2. Gang: 2,07
3. Gang: 1,25
4. Gang: 0,80

Rückwärtsgang:

6,60

Achsübersetzung:

4,43

Karosserie:

2-türige, 2-sitzige Aluminium-Roadster-Karosserie über Gitterrohrrahmen aus Stahl, geteilte Windschutzscheibe, bündig an die Karosserie anliegende Stoßstangen, ungefüttertes Notverdeck

Vorderradaufhängung:

längs liegende Lenkerparallelogramme, quer liegende Drehstabfedern, hydraulische, einfach wirkende Stoßdämpfer

Hinterradaufhängung:

Pendelhalbachsen, durch Schwingstreben geführt, quer liegende Drehstabfedern, hydraulische, doppelt wirkende Stoßdämpfer

Bremse v/h

 

Durchm. x B (mm)):

Trommeln Simplex
230 x 30) /
Trommeln Simplex (230 x 30)

Räder v/h:

3,00 D x 16 / 3,00 D x 16

Reifen v/h:

5,00-16 / 5,00-16

Lichtmaschine (W):

130

Batterie (V/Ah):

6 / 75

Spurweite v/h (mm):

1290 / 1250

Radstand (mm):

2150

Maße (L x B x H (mm)):

3860 x 1670 x 1250

Leergewicht fahrfertig (kg):

585

zul. Gesamtgewicht (kg):

785

Tankvolumen (l):

50, davon 5 Reserve

Kraftstoffverbrauch (l/100 km):

7-8; 74-80 ROZ Normal verbleit

Beschleunigung 0-100 km/h (s):

23,0

Höchstgeschw. (km/h):

135 (mit abgedecktem Beifahrersitz: 140)

Stückzahl:

1

Verkaufspreis an Händler:

SFr 7000,-

Verkaufspreis an Endkunden:

SFr 7500,-

Porsche 356 A 1500 GS Carrera Speedster

1955

Auf der IAA 1955 in Frankfurt am Main steht einer der absoluten Traumwagen der fünfziger Jahre, ein Porsche 356 A mit einem reinrassigen Renntriebwerk. Der 356 A 1500 GS (»Grand Sport«) Carrera wird zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Der 356 A Carrera ist als Coupé, Cabriolet oder Speedster erhältlich. Carrera ist das spanische Wort für Rennen. Bekannt wurde das Wort durch die Carrera Panamericana, einem harten Straßenrennen in Mexiko, an dem Porsche immer sehr erfolgreich teilgenommen hat.

Mit dem 356 A Speedster bietet Porsche ein einfach ausgestattetes offenes Fahrzeug an. Die Ganzstahlkarosserie des 356 A verfügt über einen selbsttragenden Verbundbau mit Bodenrahmen. Der an den oberen Ecken abgerundete verchromte Windschutzscheibenrahmen der flachen, gebogenen Frontscheibe ist mit der Karosserie verschraubt. Das ungefütterte Verdeck bietet im geschlossenen Zustand nur wenig Kopffreiheit. Der Speedster hat aufsteckbare Seitenscheiben an den Türen. Die Türhöhe fällt 35 Millimeter niedriger aus als bei den anderen Karosserievarianten. Auf Höhe der Türgriffe verlaufen an den Seitenflanken Chromzierleisten. Auf den vorderen Kotflügeln ist ein goldfarbener »Speedster«-Schriftzug montiert. »Carrera«-Schriftzüge sind auf den Kotflügeln vorne und auf dem Heckdeckel angebracht.

Der 356 A Speedster hat ein eigenes Armaturenbrettdesign. Unter einer gewölbten Abdeckung sitzen drei gleichgroße Rundinstrumente, von denen der Drehzahlmesser in der Mitte nach oben gerückt ist. Das Zündschloss sitzt im Vergleich zu den übrigen 356 Modellen nicht links, sondern rechts neben der Lenksäule. Rechts daneben ist ein Porsche-Schriftzug mit zwei Zierleisten angebracht. Ein Handschuhfach gibt es beim Speedster nicht. Die Schalensitze mit den zwei charakteristischen Langlöchern in den Rücksitzen geben auch in schnell gefahrenen Kurven einen guten Seitenhalt. Zumeist besitzen die 356 A Carrera-Modelle zusätzlich ein etwas größeres Holzlenkrad, modifizierte Instrumente mit einem Tachoendwert von 250 km/h und einem Drehzahlmesser, dessen Skala bis 8000/min reicht.

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Neben dem Mercedes-Benz 300 SL ist der Porsche 356 A Carrera Speedster die deutsche Sportwagen-Ikone der 50er-Jahre. Besonders in der seltenen Carrera-Ausführung stellte er wegen seiner guten Aerodynamik und dem niedrigen Gewicht hervorragende Fahrleistungen bereit.

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Auf den Einlassstutzen des komplett aus Aluminium gefertigten Motors (Typcode 547) thronen zwei Solex-Doppel-Fallstromvergaser. Zur Stabilisierung des Wärmehaushalts der luftgekühlten Hochleistungsmaschine dienen neben dem großen Lüfterrad auch die verrippten Zylinderköpfe.

An der Vorderachse übernehmen zwei durchgehende Vierkant-Blattfederstäbe die Federung und längsliegende Traghebel die Führung der vorderen Räder. Vorne hat der 356 A verstärkte Achsschenkel und einen Stabilisator zur Verbesserung der Fahrstabilität in Kurven. Die Hinterräder sind an Pendelhalbachsen durch Federstreben geführt und mit je einem runden Drehstab pro Seite gefedert. Die Aufnahmen der Torsionsstäbe sind verstellbar. Die Lagerung der Traghebel erfolgt über Nadellager. Die hydraulische Bremsanlage arbeitet mit vier Trommelbremsen mit 280 Millimeter Durchmesser. Die Supersportreifen der Größe 5.90-15 sind auf 4,5 J x 15 Zoll Stahlräder aufgezogen.

Mit 100 PS (74 kW) bei 6200/min leistet der 1,5-Liter-Carrera-Motor ganze 25 PS mehr als die stärksten Stoßstangenmotoren. Das Triebwerk liebt geradezu hohe Drehzahlen. Durch seinen heiseren Klang vermittelt es Rennatmosphäre pur! Der Carrera-Motor wurde von Ernst Fuhrmann konstruiert. Später hat er ihn als seine Jugendsünde bezeichnet. Eine Besonderheit ist die geteilte, rollengelagerte Hirth-Kurbelwelle. Die beiden obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderkopf werden über eine Königswellensteuerung angetrieben. Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kolben sind aus Leichtmetall gegossen. Die Ölversorgung übernimmt eine Trockensumpfschmierung mit separatem Öltank, damit auch in schnell gefahrenen Kurven die optimale Schmierung gewährleistet wird. Die Batterie-Doppelzündung arbeitet mit zwei Zündkerzen pro Zylinder. Zwei Solex-Doppel-Fallstromvergaser setzen das Benzin-Luft-Gemisch in pure Leistung um.

Die Gänge des synchronisierten 4-Gang-Schaltgetriebes werden über eine Einscheiben-Trockenkupplung getrennt. Die Getriebeübersetzung in den Gängen drei und vier ist länger gewählt.

Die Modellpflege im Herbst 1956 beschert dem Speedster ein geändertes Verdeck, welches mehr Kopffreiheit bietet. Das Verdeck des Speedster erhält außerdem eine vergrößerte Heckscheibe. Im März 1957 tauschen der Tacho und das Kombiinstrument ihre Plätze. Der Tachometer befindet sich jetzt rechts neben dem Drehzahlmesser, das Kombiinstrument links.

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Nürburgring, 4. August 1957, Großer Preis von Deutschland: Ein Carrera Speedster jagt während eines Rahmenrennens für Sportwagen über die legendäre Eifel-Rennstrecke. Auf solchem Terrain fühlte sich der leichte Porsche besonders wohl.

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Aufs Nötigste beschränkt zeigt sich das Armaturenbrett des rundlichen Sportwagens. Nur im Speedster kommt das Instrumenten-Layout mit drei Rundarmaturen und gewölbtem Blendschutz zum Einsatz. Das riesige, wenig sportlich wirkende Bakelit-Lenkrad mit Hupenring wurde häufig gegen eines von Nardi mit Holzkranz und Aluspeichen ausgetauscht.

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Auf dieser Aufnahme aus dem Jahre 1954 ist Ferry Porsche im Gespräch mit einem Meister aus der Motorenabteilung zu sehen. Das Carrera-Triebwerk war zwar vornehmlich mit Blick auf den Rennsport entwickelt worden, bleibt aber in verschiedenen Versionen von 1953 bis 1964 in Produktion.

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Die leistungsfähigste Version der sportlich-kargen Speedster-Modelle ist mit dem 1500 cm3 großen Carrera-Triebwerk ausgerüstet – benannt nach dem berühmten Straßenrennen in Mexiko, der Carrera Panamericana. Es wurden kaum mehr als 150 Fahrzeuge diser Art hergestellt.

Der 356 A Carrera ist zusätzlich in einer noch sportlicheren Ausführung lieferbar. Der 356 A 1500 GS Carrera GT (»Grand Tourisme«) ist auch als Speedster-Version lieferbar. Der Motor leistet 110 PS (81 kW) bei 6400 Touren. Für die Optimierung des Gewichts werden Türen und Hauben aus Aluminium montiert. Im Heckdeckel sind beim Carrera GT neben dem Heckgrill links und rechts zusätzliche Lüftungsschlitze eingelassen. Auch die Stoßstangenhörner fallen beim Carrera GT der Gewichtsreduzierung zum Opfer.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt beim 356 A Carrera Speedster bei 200 Kilometern pro Stunde. Bei der Beschleunigung von 0 auf 100 Kilometer vergehen 12 Sekunden. Der etwas stärkere Carrera GT benötigt eine Sekunde weniger. Für den engagierten Privatfahrer ist der 356 A Carrera Speedster zum Preis von 17.700 DM das ultimative Sportgerät für den Renneinsatz.

Heute sind die 356 A Carrera Speedster äußerst rare und hoch bezahlte Sammlerstücke.

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Blick in den Innenraum eines 356 A Carrera Speedster. Durch die extrem niedrige Frontscheibe und das dünne »Flatterverdeck« mit entsprechend niedriger Dachlinie – hier gut zu erkennen – ist es schwierig, das Interieur bei geschlossenem Verdeck zu entern. Auch die spartanischen Sportsitze mit ihren hochgezogenen Flanken waren da eher hinderlich.

Technische Daten

Bauart:

4-Zylinder-Boxermotor

Einbauposition:

Heckmotor

Kühlung:

luftgekühlt

Motor-Typ:

547/1

Hubraum (cm3):

1498

Bohrung x Hub:

85 x 66

Leistung (kW/PS):

74/100 bei 6200/min

Drehmoment (Nm):

119 bei 5200/min

Verdichtung:

9,0:1

Ventilsteuerung:

dohc über Königswellen, 2 Ventile pro Zylinder

Gemischaufbereitung:

2 Doppel-Fallstromvergaser Solex 40 PII

Zündung:

Batterie-Doppelzündung

Zündfolge:

1 - 4 - 3 - 2

Kurbelwellenlagerung:

4 Rollenlager

Schmierung:

Trockensumpfschmierung

Antrieb:

Heckantrieb

Schaltgetriebe:

4-Gang

Übersetzungen:

1. Gang: 3,182
2. Gang: 1,765
3. Gang: 1,227
4. Gang: 0,960

Rückwärtsgang:

3,560

Achsübersetzung:

4,428

Karosserie:

2-türige, 2-sitzige, selbsttragende Speedster-Karosserie aus Stahlblech, gepresster und geschweißter Stahlblechkastenrahmen, gebogene einteilige Windschutzscheibe mit abgerundeten oberen Ecken, ein Lufteinlassgitter in der Motorhaube, von der Karosserie abgesetzte Stoßstangen mit Stoßstangenhörnern, Steckscheiben an den Türen

Sonderwunsch ab 1957:

Hardtop

Vorderradaufhängung:

Einzelradaufhängung an zwei Kurbellängslenkern (als Traghebel ausgebildet), zwei durchgehende je aus einzelnen Federblättern gebündelte Vierkant-Drehfederstäbe mit zusätzlichem Stabilisator, doppelt wirkende hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer

Hinterradaufhängung:

Pendelhalbachsen durch Längslenker geführt (als Federstreben ausgebildet), Einzelradfederung durch je einen runden quer liegenden Drehstab (Torsionsstab) auf jeder Seite, doppelt wirkende hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer

Bremse v/h:

Trommeln Duplex / Trommeln Simplex

Räder v/h:

4,5 J x 15 / 4,5 J x 15

Reifen v/h:

5,90-15 Supersport / 5,90-15 Supersport

Lichtmaschine (W):

160

Batterie (V/Ah):

6 / 84

Spurweite v/h (mm):

1306 / 1272

Radstand (mm):

2100

Maße (L x B x H (mm)):

3950 x 1670 x 1220*

Leergewicht nach DIN (kg):

790

zul. Gesamtgewicht (kg):

1100

Tankvolumen (l):

52, davon 5 Reserve

Beschleunigung 0-100 km/h (s):

12,0

Höchstgeschw. (km/h):

200

Stückzahl 356 A 1500 GS:

447

gesamt:

447

356 A 1500 GS & GT Speedster:

167

Listenpreise (in DM):

09/1955 Speedster: 17.700,-
09/1956 Speedster: 17.700,-

Porsche 550 1500 RS Spyder

1955

Schon Anfang der 50er-Jahre setzen Privatfahrer selbstgebaute, offene Sypder mit Porsche-Technik in Rennen ein. Während man in Italien das Wort »Spider« mit einem »i« schreibt, wird für die Porsche Spyder die Schreibweise mit einem »y« bevorzugt. Im Winter 1952 starten die Porsche-Ingenieure mit dem Bau eines eigenen Spyders. Zur gleichen Zeit beginnt unter der Leitung von Dr. Ernst Fuhrmann die Entwicklung eines ganz neuen Motors. Das Ergebnis ist das Viernockenwellen-Triebwerk mit der Königswellensteuerung, welches als Carrera-Motor in die Geschichte von Porsche eingehen wird. Die ersten beiden 1953 gebauten 550 können offen oder mit einem Coupé-Aufsatz gefahren werden. Die geschlossene Version hat Vorteile in der Aerodynamik. Ein leistungsgesteigertes 1,5-Liter-Vierzylindertriebwerk, das 78 PS (57 kW) bei 5000/min freisetzt, dient als Antrieb. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der erste Spyder bei etwa 200 km/h. 1953, beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, belegen Richard Trenkel und Walter Schlüter den 4. Platz. Im gleichen Jahr werden Paul Frère und Richard von Frankenberg bei den 24 Stunden von Le Mans Klassensieger und belegen vor Hans Herrmann und Helmut Glöckler im zweiten Spyder den 15. Platz im Gesamtklassement.

Die Karosserie des 550 1500 RS Spyder ist aus Aluminium gefertigt. Der Rahmen ist ein sogenannter Flachrahmen, der aus Stahlrohren zusammengeschweißt ist. Die Aluminiumtüren sind mit Schlössern ausgestattet. Die gebogene Windschutzscheibe ist aus Verbundglas gefertigt. Sie kann mit einigen Handgriffen vom Fahrzeug abgenommen werden. Am Windschutzscheibenrahmen kann ein einfaches Notverdeck oder ein Coupé-Aufsatz befestigt werden. Die Seitenscheiben sind als Steckscheiben ausgeführt. Der Spyder wird mit einem einfachen Notverdeck ausgeliefert. Optional können auch eine kleine Windschutzscheibe nur für den Fahrer und eine Sitzabdeckung geliefert werden. Durch einen Reißverschluss kann der Einstieg für den Fahrer geöffnet werden. Das komplette Heckteil kann nach hinten hin aufgeklappt werden. Im Heckdeckel sind zwei verchromte Lüftungsgitter eingelassen. Unter der vorderen Haube ist der über einen Schnellverschluss betankbare Kraftstoffbehälter mit 68 Litern Fassungsvermögen untergebracht. Die 550 1500 RS Spyder bringen etwa 640 Kilogramm auf die Waage. Das Modell des Jahrgangs 1955 ist an Bug und Heck im Bereich der Leuchten flacher geformt.

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Einer der berühmtesten Porsche Rennsportwagen aller Zeiten: der 550 1500 RS Spyder mit dem Viernockenwellen-Triebwerk von Dr. Ernst Fuhrmann.

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Der Porsche 550 Spyder war als Rennsportwagen konzipiert und wurde weltweit mit großem Erfolg eingesetzt. Im Bild Hans Herrmann, der zusammen mit Wolfgang Graf Berghe von Trips das 12-Stunden-Rennen von Sebring (USA) 1956 als Klassensieger und Gesamtsechster beendete.

Die eingeschweißte Schalttafel ist ein tragendes Teil der Karosseriestruktur. Sie ist auf der Oberseite mit Kunstleder überzogen. Im Armaturenbrett sind drei Rundinstrumente, Schalter für Scheibenwischer, Instrumentenbeleuchtung und Scheinwerfer, sowie Leuchten für Ladekontrolle, Öldruck und Fernlicht eingelassen. Zusätzlich sind noch das Zündschloss, eine Steckdose und der Anlassknopf angebracht. Um den knappen Innenraum wenigstens etwas zu beheizen, kann – über eine Klappe geregelt und durch seitliche Schieber verschließbar – durch die Längsträger Warmluft ins Wageninnere geführt werden. Die beiden Schalensitze können in Längsrichtung verstellt werden. Die Türverkleidungen bestehen aus Pappe, die mit Kunstleder bespannt ist.

Das Antriebsaggregat ist als Mittelmotor hinter dem Fahrer, vor der Hinterachse eingebaut. Der luftgekühlte Boxermotor leistet 110 PS (81 kW) bei 6200/min, das maximale Drehmoment von 119 Newtonmetern liegt bei 5000 Kurbelwellenumdrehungen an.

Die vier obenliegenden Nockenwellen werden aufwändig über Königswellen gesteuert. Kurbelgehäuse, Zylinder und Zylinderköpfe sind aus Leichtmetall gegossen. Zwei Solex-Doppel-Fallstromvergaser vom Typ 40 PII übernehmen die Gemischaufbereitung. Die Doppelzündanlage besteht aus zwei Zündverteilern, zwei Zündspulen und je zwei Zündkerzen pro Brennraum.

Anfangs werden die Verteiler von einer Verlängerung von zwei Nockenwellen aus angetrieben, später V-förmig von der Kurbelwelle aus. Die Kühlung des Motors übernimmt ein stehendes Gebläse.

Die Trockensumpfschmierung ist mit einem separaten Öltank mit acht Litern Inhalt versehen.

Die Spannungsversorgung übernimmt eine 6-Volt-Anlage. Das 4-Gang-Schaltgetriebe sitzt hinter der Hinterachse.

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Der leichte und deshalb äußerst leistungsfähige 550 Spyder erregt auf dem Turiner Automobilsalon 1955 auch das Interesse von Fiat-Erbe Gianni Agnelli.

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Die Heckhaube lässt sich als Ganzes öffnen und erlaubte einen ungehinderten Zugang zum Vierzylinder-Boxermotor samt Getriebe.

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Das von Dr. Ernst Fuhrmann konstruierte luftgekühlte Vierzylinder-Boxertriebwerk verfügt über einige exotische technische Merkmale, z.B. die über Königswellen gesteuerten vier oben liegenden Nockenwellen. Es zählt zu den berühmtesten Motoren der Automobilgeschichte.

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Die Luftzu- und -abfuhr zum Triebwerk wird durch zwei große verchromte Lüftungsgitter auf der Heckhaube bewerkstelligt. Der zentral ins Freie mündende Auspuff ist ein typisches Merkmal vieler Porsche Rennwagen.

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Auf dem Stuttgarter Flughafen wird ein 550 Spyder für den Transport in die USA, einem der Hauptabsatzmärkte, fertig gemacht.

Der Achsantrieb ist mit einem ZF-Sperrdifferenzial bestückt. Beim Fahrwerk sind alle vier Räder einzeln aufgehängt und an Teleskopstoßdämpfern geführt. Vorn sind längs liegende Traghebel, zwei quer liegende Vierkant-Blattfederstäbe und ein Stabilisator eingebaut. Die hintere Pendellenkerachse wird an Längslenkern geführt und durch einen runden, quer liegenden Drehstab gefedert. Die hydraulische Bremsanlage bringt den Wagen über vier Bremstrommeln zum Stehen.

Auf Stahlfelgen der Dimension 3,50 D x 16 sind vorn Reifen der Größe 5,00-16 RS und hinten 5,25-16 RS aufgezogen.

Aus dem Stand erreicht der 550 1500 RS Spyder in 10 Sekunden die 100-km/h-Marke, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h. Den ersten Renneinsatz hatte der 550 1500 RS Spyder mit Hans Herrmann und Herbert Linge 1954 bei der Mille Miglia. Das Ergebnis ist der 6. Platz im Gesamtklassement. Legendär ist bei diesem Rennen auch die Szene, in der die Spyder-Besatzung vor dem herannahenden Zug mit geduckten Köpfen unter der geschlossenen Bahnschranke hindurch fährt.

Einen 550 Spyder mit der Startnummer 118 pilotierte der Stuttgarter Eberhard Mahle. Bei der Targa Florio 1959 wurde er mit einem 550 Spyder Zweiter im Gesamtklassement. Der wohl bekannteste Besitzer eines Porsche 550 Spyder war der amerikanische Schauspieler James Dean. Er hatte auf seinem Wagen die Startnummer 130 stehen und auf dem Heck den Schriftzug »Little Bastard«.

Am 30. September 1955 starb James Dean bei einem Verkehrsunfall in seinem Spyder, als er auf dem Weg zu einem Autorennen war.

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Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass man mit solch schmalen Reifen eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h problemlos und sicher fahren konnte.

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1956 folgt als Evolutionsmodell der Porsche 550 A, der über verschiedene technische und optische Modifikationen verfügt und das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Porsche Spyder schreibt.

Technische Daten

Bauart:

4-Zylinder-Boxermotor

Einbauposition:

Heckmotor

Kühlung:

luftgekühlt

Hubraum (cm3):

1498

Bohrung x Hub:

85 x 66

Leistung (kW/PS):

81/110 bei 6200/min

Drehmoment (Nm):

129 bei 5300/min

Verdichtung:

9,5:1

Ventilsteuerung:

dohc über Königswellen, 2 Ventile pro Zylinder

Gemischaufbereitung:

2 Doppel-Fallstromvergaser Solex 40 PII

Zündung:

Batterie-Doppelzündung

Zündfolge:

1 - 4 - 3 - 2

Schmierung:

Trockensumpfschmierung

Antrieb:

Heckantrieb

Schaltgetriebe:

4-Gang

Übersetzungen:

je nach Rennstrecke

Ausgleichsgetriebe:

ZF-Sperrdifferenzial

Karosserie:

Leiterrohrrahmen aus nahtlosem Stahlrohr, offene Karosserie aus Aluminium in selbsttragender Verbundbauweise mit Notverdeck

Vorderradaufhängung:

zwei längs liegende Traghebel, außen Nadellager, zwei durchgehende Vierkant-Blattfederdrehstäbe, verstellbar, hydraulische Stoßdämpfer

Hinterradaufhängung:

Pendelhalbachsen, durch Federstreben geführt, je ein quer liegender Drehstab auf jeder Seite, hydraulische Stoßdämpfer

Bremse v/h:

Trommeln Duplex / Trommeln Simplex

Räder v/h:

3,50 D x 16 / 3,50 D x 16

Reifen v/h:

5,00-16 / 5,25-16

Lichtmaschinenleistung (W):

160

Batterie (V/Ah):

6 / 84

Spurweite v/h (mm):

1290 / 1250

Radstand (mm):

2100

Maße (L x B x H (mm)):

3600 x 1550 x 1015

Leergewicht fahrfertig (kg):

640 ohne Benzin

Tankvolumen (l):

65

Beschleunigung 0-100 km/h (s):

10,0

Höchstgeschw. (km/h):

220

Stückzahl 550 1500 RS:

75

Listenpreise (in DM):

Spyder: 24.600,-

Porsche 356 B

1959

Im Modelljahr 1960, Herbst 1959, kommt der neue 356 B auf den Markt. Die Karosserieform wird werksintern als T 5 bezeichnet. T 5 steht für Technisches Programm V. Der 356 B wird in vier verschiedenen Karosserieversionen ausgeliefert: Coupé, Cabriolet, Hardtop-Coupé und Roadster. Die Coupé- und Cabriolet-Karosserien fertigt der Karosseriebauer Reutter in Stuttgart. Die Hardtop-Coupés mit dem fest aufgeschweißten Hardtop baut Karmann in Osnabrück und die Karosserien für den Roadster entstehen anfangs bei Drauz in Heilbronn, später bei D’Iteren in Belgien. Die drei angebotenen Stoßstangenmotoren haben 1,6 Liter Hubraum. Die Modelle sind der 356 B mit 60 PS, der 356 Super mit 75 PS und der 356 Super 90 mit 90 PS. Das Einstiegsmodell wird wegen seines kultiviert laufenden 60-PS-Motors als »Dame« bezeichnet.

An der Karosserie des 356 B fallen die, im Vergleich zum Vorgängermodell 356 A, höhergesetzten Stoßstangen und Scheinwerfer auf. Vorne sitzt die Stoßstange 95 Millimeter höher. Daran sind größere Stoßstangenhörner montiert. Die runden Blinker fallen größer aus und stehen etwas weiter von der Karosserie ab. Die daneben angebrachten Ziergitter sind länger und flacher geformt. Unter der Stoßstange sind im Bugteil zwei mit verchromten Gittern versehene ovale Lufteinlässe zur Bremsenkühlung eingelassen. Unter dem Stoßfänger können in der Frontschürze Nebelscheinwerfer eingebaut werden. Das vordere Nummernschild ist unten an der Stoßstange angeschraubt. Auf der Kofferraumhaube ist ein breiter Chromgriff mit einem kleinen farbigen Porsche-Wappen montiert. Die hintere Stoßstange ist 105 Millimeter höher gerückt. Durch die beiden neu gestalteten Stoßstangenhörner münden die Auspuffendrohre ins Freie. Auf der Stoßstange sind oben die beiden Nummernschildleuchten befestigt. Der Rückfahrscheinwerfer hängt in der Mitte der Stoßstangenunterseite.

Das 356 B Cabriolet wird serienmäßig mit einem Stoffverdeck ausgeliefert. Als Option ist ein Hardtop für den Fahrbetrieb im Winter lieferbar. Als Alternative bietet Porsche das 356 B Cabriolet auch ohne Stoffverdeck, dafür aber mit dem abnehmbaren Hardtop-Aufsatz, an.

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Im Herbst seiner Karriere zeigt sich der 356 als ungemein ausgereiftes, solides Fahzeug; in Sachen Fahrleistung ist er aber nicht mehr über alle Kritik erhaben.

Im September 1961 beginnt die Fertigung des 356 B T 6. Die Karosserie wird in einigen Punkten weiterentwickelt. Die Kofferraumöffnung wird vergrößert. Der Frontdeckel ist im unteren Bereich etwas eckiger gestaltet. Durch den flacheren Benzintank bekommt der Gepäckraum vorne mehr Stauraum. Eine Tankklappe im vorderen rechten Kotflügel ermöglicht das Betanken, ohne dass die Fronthaube wie bisher dazu geöffnet werden muss. Zur besseren Frischluftzufuhr für den Innenraum sind zwei Lüftungsgitter unterhalb der Windschutzscheibe eingelassen. In der Motorhaube ist ein senkrechtstehender Doppelgrill eingepasst. Die Scheibenwischergeschwindigkeit ist stufenlos verstellbar.

Eine noch bessere Kühlung der Trommelbremsen versprechen die neuen Querrippen. Die verchromten Radkappen mit den farbigen Porsche-Wappen der Super- und Super-90-Modelle haben die Form des 356 A Super. Nur das Einstiegsmodell wird mit schlichten halbrunden Radkappen ausgeliefert. Die Amerikaner nennen diese Radkappen liebevoll »Baby Moon«. Für den 356 B Super 90 ist eine quermontierte Ausgleichsfeder an der Hinterachse serienmäßig. Diese hat die Funktion, in Kurvenfahrten das entlastete Hinterrad auf den Boden zu drücken. Für die anderen beiden 356 B Modelle ist die Ausgleichsfeder als Sonderwunsch lieferbar.

Bei der Markteinführung stehen ein 1,6-Liter-Motor mit 60 PS (44 kW) und das Super-Aggregat mit 75 PS (55 kW) im Angebot. Bei beiden Motoren werden auf den verstärkten Ventilfedertellern modifizierte Ventilfedern montiert. Ab dem Frühjahr 1960 arbeitet im Super 90 das neue Spitzen-Triebwerk bei den Stoßstangenmotoren. Aus 1 582 cm3 mobilisiert der auf 9:1 verdichtete Boxermotor bei 5 500/min ganze 90 PS (66 kW). Das maximale Drehmoment von 121 Nm wird bei 4 300/min erreicht.

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Liebevolle Detaillösungen, handwerklich perfekt umgesetzt, tragen zum Nimbus aller 356er Porsche bei.

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Rundliche Formen und kleine Fensterflächen wirkten in den frühen sechziger Jahren zunehmend altbacken – am Nachfolger des 356 wurde hinter den Kulissen aber schon hart gearbeitet.

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Der 1,6 Liter große Vierzylinder-Boxermotor im Heck des 356 B leistet 75 oder – wie im abgebildeten Fahrzeug – mit neuen Solex-Vergasern 90 PS. Ein wahrer Dauerläufer, der auf Autobahnen keine Mittelklasse-Limousinen fürchten musste.

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Die vordere Stoßstange des 356 B ist gegen über dem A-Modell um fast 10 Zentimetern höher gesetzt und mit wesentlich stabileren Hörnern versehen.

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Ausweis der Authentizität – Typenschilder mit Karosserie- und Lacknummer

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